Gleich zwei Wettbewerbe konnte das Rettungsrobotik-Team Hector kürzlich für sich entscheiden, den europäischen Robotikwettbewerb EnRicH und den RoboCup German Open 2021.

Zwei erste Plätze beim Robotikwettbewerb EnRich

Beim Robotikwettbewerb EnRicH, der bereits zum dritten Mal im Kernkraftwerk Zwentendorf in Österreich ausgetragen wurde, belegte das Darmstädter Team Platz eins in den beiden Kategorien 3D Mapping und Radiation Mapping. Im Wettbewerb wurde die Einsatzfähigkeit der Rettungsroboter bei einem nuklearen Ernstfall getestet. Das Kernkraftwerk in Österreich wurde fertiggestellt, jedoch nie in Betrieb genommen, wodurch es eine ideale Testumgebung für den Einsatz der Rettungsroboter bietet. Im Erdgeschoss des Kraftwerks wurden während des Wettbewerbs mehrere Strahlungsquellen platziert. Die Aufgabe der Roboter war es, autonom eine dreidimensionale Karte des Gebäudes, sowie eine Karte der Verteilung der Strahlungsintensität zu erstellen. Zudem sollten, basierend auf der Strahlungskarte, Ventile geschlossen, sowie ein vermisster Arbeiter gesucht und in einen sicheren Bereich transportiert werden. Im Gegensatz zu den Vorjahren waren die Bedingungen des Wettbewerbs in diesem Jahr verschärft, denn während vor zwei Jahren beispielsweise noch Rampen Treppen und Stufen befahrbar machten wurden diese nun weggelassen und stattdessen zusätzliche Hindernisse platziert. So wurden insbesondere die Anforderungen an die Robustheit der Navigation und die Mobilität der Roboter erhöht.

Team Hector trat dieses Jahr in einer Kooperation gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Rettungsrobotik (DRZ) im Wettbewerb an. Zum Einsatz kamen die zwei Bodenroboter DRZ Telemax und emergenCITY Scout. Telemax hat einen variablen Kettenantrieb und einen präzisen Manipulatorarm und steht Team Hector im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Verbundforschungsprojekts zum Aufbau des Deutschen Rettungsrobotik-Zentrums zur Verfügung. Scout wiederum ist ein radgetriebener Bodenroboter, der im LOEWE-Zentrum emergenCITY entwickelt wurde. Die beiden Roboter sind mit Sensoren sowie Autonomie- und Assistenzfunktionen ausgerüstet. So werden die Daten von Lidar, Inertialmesssystem und 360°-Kamera fusioniert, um in Echtzeit ein genaues dreidimensionales Modell der Umgebung zu generieren. Ein zusätzlicher Geigerzähler ermöglichte das Erstellen der Strahlungskarte. Während des Wettbewerbs kooperierten die beiden Roboter auch untereinander, so transportierte Scout einen Funk-Repeater, damit Telemax auch die hinteren Räume des Stockwerks erkunden konnte, in denen sonst keine Funkverbindung bestand.

Die hohe Qualität der von den Robotern erstellten dreidimensionalen geometrischen Karte sowie der Strahlungskarte konnte die Jury überzeugen, sodass Team Hector jeweils den ersten Platz in den Kategorien 3D Mapping und Radiation Mapping erreichte.

Sieg beim RoboCup German Open 2021

Auch beim Robo Cup German Open 2021 konnte Team Hector punkten. Nachdem das Team im Juni bereits beim internationalen RoboCup mit zwei Best in Class-Auszeichnungen erfolgreich war, überzeugte der Darmstädter Robotereinsatz nun auch im deutschen Wettbewerb.

Der Wettbewerb bestand aus einem simulierten Unfall in einem Chemielabor, während dem von den Robotern verschiedene anspruchsvolle Aufgaben erledigt werden mussten, wie beispielsweise das Versiegeln eines erhitzten Behälters, die Navigation durch Rauch, das Durchqueren von Trümmern oder die autonome Erkennung von Gefahrgutzeichen. Team Hector schickte hierfür den Roboter Asterix ins Rennen. Asterix ist ein kettenbasierter, hochmobiler und modularer Bodenroboter mit intelligenten autonomen Assistenzfunktionen für Navigation und Manipulation. Mit seiner mechatronischen Plattform bietet er optimale Voraussetzungen für die Entwicklung komplexer Assistenz- und KI-Funktionen, die die Bedienung des Roboters in belastenden Krisensituationen erleichtern. Der Roboter wurde von einem interdisziplinären Team aus Studierenden der TU Darmstadt komplett neu entwickelt. Geleitet wird das Team von den emergenCITY Wissenschaftlern Marius Schnaubelt und Professor Oskar von Stryk. Neben dem Gesamtsieg gewann das Team mit Asterix auch die Auszeichnung Best in Class-Autonomy für die beste Autonomie.